So lange hast du auf diesen Tag heute gewartet. Eigentlich fieberst du schon seit den Sommerferien dem heutigen Abend entgegen. Heute, heute ist es endlich soweit: Weihnachten – der Geburtstag von Jesus. Mit Baum und Plätzchen und leckerem Essen – und natürlich auch mit Gottesdienst und Krippenspiel – alles super. Du magst das alles, was zu Weihnachten dazugehört. Aber eigentlich wartest du noch auf etwas anderes: Na klar, auf die Bescherung heute Abend. Du erwartest ein großes Päckchen unter dem Weihnachtsbaum, auf dem dein Name steht. Was bei dir drin sein muss, weiß ich nicht. Vielleicht der ferngesteuerte Monstertruck, mit dem du auch durch den Matsch fahren kannst. Oder das Puppenhaus, das du dir schon so lange gewünscht hast… oder dein erstes Handy….

Stell dir vor, du packst heute Abend das toll verpackte Geschenk mit deinem Namen drauf aus. Zuerst kommt eine Schachtel raus. Du könntest platzen vor Freude: Der Monstertruck. Da Puppenhaus. Auf der Schachtel ist das abgebildet, was du dir schon so lange gewünscht hast. Das hast du erwartet und deshalb hast du so sehnsüchtig auf Weihnachten gewartet. Ganz aufgeregt machst du dann die Schachtel auf und dir bleibt der Mund offen stehen – allerdings nicht vor Begeisterung, sondern weil etwas ganz anderes drin ist, als du erwartet hast.

Statt dem Monstertruck, der durch Matschfahren kann, haben deine Eltern dir in die Schachtel ein Paar Socken mit Rennautos darauf eingepackt. Und statt dem tollen Puppenhaus findest du einen leeren Schuhkarton mit einer Bastelanleitung für ein Puppenhaus zum Selbermachen im Geschenk. Wie wäre das für dich?

Ich denke, du wärst sicher erstmal ganz schön enttäuscht von Weihnachten. Und nächstes Jahr, da würdest du gar nicht mehr so arg auf das Fest und die Bescherung hin fiebern. Du würdest sicher nicht mehr so auf Weihnachten warten, weil du dich nicht mehr trauen würdest, was Tolles zu erwarten.

Ich frage mich, ob es uns manchmal auch so ähnlich mit dem größten Geschenk an Weihnachten geht. Das größte Geschenk an Weihnachten ist Jesus. Wir hören es alles Jahre wieder: Gott schenkt uns seinen Sohn, deshalb feiern wir Weihnachten. Dieser Sohn, Jesus, wurde den Menschen schon viele Jahre vor seiner Geburt mit wunderbaren Worten angekündigt. Der Prophet Jesaja beschreibt ihn als Licht, das in die Dunkelheit kommt und er gibt ihm vielversprechende Namen wie zum Beispiel: Wunderbarer Ratgeber oder Friedefürst. Er schreibt: Seine Herrschaft ist groß und bringt Friede ohne Ende. (Jes 9, 6)

David, Amos, Sara und die anderen aus der Synagogengemeinde kannten natürlich die Ankündigungen der Propheten. Deshalb warteten sie sehnsüchtig auf den angekündigten Retter. Und als die Hirten sie mit in den Stall nehmen, als sie Jesus sehen und hören, was Maria und die Hirten über dieses kleine Baby sagen, sind sie absolut begeistert. Ihr Warten hat ein Ende. Endlich. Wie genial! Ein Freudentag. Ein Freudenfest: Er ist gekommen, Halleluja.

Singen Sie das von Herzen mit oder wird dieser Jubel dann doch jedes Jahr etwas leiser bei Ihnen?

Im Gegensatz zu den Menschen aus der Synagoge warten wir ja nicht mehr wirklich auf das Kommen des Erlösers in unsere Welt. Wir schauen auf dieses Ereignis zurück. Wir zelebrieren es jedes Jahr neu, um uns daran zu erinnern und uns darüber zu freuen. Eigentlich haben wir einen großen Vorteil: Denn wir wissen schon. Die Hoffnung war nicht falsch, das Warten nicht umsonst: Gott hat seinen Sohn in die Welt geschickt.

Aber wir haben auch einen Nachteil – wir sehen nicht nur das süße Kind in der Krippe, auf dem all unsere Hoffnungen liegen. Wir haben auch den Realtitäscheck seit über 2000Jahren. Friedefürst? Naja, Streit und Krieg gibt es ja mehr als genug in dieser Welt. Licht der Welt? Auch hier könnte man sehr viele dunkle Ecken und Seiten dieser Welt aufführen. Jesus ist gekommen – und immer noch liegt uns in vielen Bereichen, ein „wie lange noch?“ auf der Zunge. Hat sich denn gar nichts geändert? War die Verpackung vielversprechend, aber das Geschenk dann doch ein Flopp?

Ich meine NEIN. Das Geschenk hält, was es verspricht. Das Warten hat sich gelohnt. Wir feiern zurecht heute ein Freudenfest und wir dürfen von Jesus auch alles erwarten. Das Problem ist nicht das Geschenk, das Problem sind die Beschenkten.

Johannes beschreibt das in seinem Evangelium so:

5Das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht angenommen. 11Er kam in die Welt, die ihm gehört. Aber die Menschen dort nahmen ihn nicht auf.

Jesus kam in die Welt, um uns Frieden zu schenken. Er kam, um unser Leben hell zu machen. Das tut er auch heute noch. Er schenkt uns Frieden. Er bringt Licht und damit Wärme, Orientierung und Leben – doch viele Menschen lehnen ihn ab. Sie meinen ihn nicht zu brauchen. Das Ergebnis sehen wir jeden Tag: Unsere Welt ist friedlos und dunkel. Aber eben nicht überall.

Johannes schreibt weiter: 12Aber denen, die ihn aufnahmen, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden. – Das sind alle, die an ihn glauben. –

Wer Jesus einen Platz in seinem Leben gibt, der wird zum Kind Gottes. Wer Jesus aufnimmt und sich auf eine Freundschaft mit ihm einlässt, der erlebt und erfährt ihn als Friedensbringer. Als Licht und als Erlöser.

Da ist zum Beispiel eine junge Frau, die völlig unzufrieden mit sich selbst ist. Sie lernt Jesus ihren Erlöser kennen, der sie liebt und durch seine Gnade annimmt wie sie ist. Das bringt ihr Frieden und ermöglicht ihr, sich selbst anzunehmen.

Da ist ein alter Mann, ohne Kinder. Dieses Jahr feiert er das erste Mal allein Weihnachten. Darüber ist er traurig. Aber er ist nicht verzweifelt, denn Jesus macht sein Leben hell. Er weiß, dass seine Frau bei Jesus in ihrer himmlischen Wohnung ist und freut sich, selbst einmal dort zu sein.

Und da sind die Nachbarn, die sich seit Monaten schon wegen Kleinigkeiten in den Haaren liegen. An Weihnachten begreifen sie neu, dass Jesus uns Frieden mit Gott anbietet. Das begeistert sie. Das verändert sie. Nach der Kirche sind sie bereit, einander zu vergeben.

So strahlt hier und da immer wieder das Licht Jesu in der Dunkelheit auf. Sein Friede wirkt in dieser Welt bei den Menschen, die ihm einen Platz einräumen.

Noch ein letzter Gedanke: Jesus ist gekommen und dennoch leben auch wir noch in einem Wartezustand wie die Menschen damals. Denn Jesus hat versprochen, wieder zu kommen. Dann wird er sein Friedensreich endgültig aufrichten. Dann werden sogar Löwe und Lamm nebeneinander liegen. Auch das haben die Propheten angekündigt. Ich halte diese Ankündigungen für absolut glaubwürdig. Weil Teil1, damit mein ich das erste Kommen Jesu in diese Welt, eingetroffen ist, wird auch Teil 2 Wirklichkeit werden: Jesus wird wiederkommen und das wird bombastisch! Aber auf diesen Tag müssen wir nicht gelangweilt warten, wie man manchmal auf den Zug der Deutschen Bahn wartet, nein. Jesus ist schon gekommen. Am Kreuz ist er für uns Menschen gestorben und drei Tage später auferstanden vom Tod. Dadurch ist Friede zwischen dir und Gott auch heute schon möglich. Dieser Friede verändert dich und die Beziehungen zu den Menschen um dich herum. Er macht deine Dunkelheiten hell. Deshalb ist heute ein Freudentag. Eine Freudennacht. Ein Freudenfest. Er ist gekommen: Hallelujah! Amen.

Die Predigt wurde an Heilig Abend im Familiengottesdienst in der Auferstehungskirche Ruit gehalten.

Link zum Gottesdienst: https://www.youtube.com/watch?v=MIt3UkmBF7k

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