Wie hast du dich auf Weihnachten vorbereitet? Eigentlich wie jedes Jahr – Deko, Plätzchen, Geschenke – oder eigentlich wie jedes Jahr gar nicht groß. Oder dieses Jahr mal ganz besonders?
Egal, ob du perfekt auf Weihnachten vorbereitet bist oder ob es bei dir bis heute Morgen noch eher so aussah wie in unserer Chaosecke, einer ist auf jeden Fall vorbereitet. Gott.
Er hat sich auf dich und die Begegnung mit dir vorbereitet. Und genau das feiern wir heute: Gott wird Mensch, um die Begegnung mit dir vorzubereiten. Wir feiern das Wunder, dass Gott, der schon immer war und vom dem alles kommt, runterkommt zu uns auf die Erde und Mensch wird. Dabei gibt er all seine himmlischen Privilegien auf und wird wie wir. Paulus beschreibt das im Philipperbrief so:
6Er war von göttlicher Gestalt. Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – so wie ein Dieb an seiner Beute. 7Er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an. Er wurde in allem den Menschen gleich. In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch. 8Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz. (Phil 2,6-8)
Vom Gott zum Knecht. Vom Himmelsthron in die Krippe. Von ganz oben, nach ganz unten. Das ist mal ein Abstieg, der seinesgleichen sucht!
Warum ist es Jesus so wichtig, mir zu begegnen, dass er diesen Abstieg in Kauf nimmt? Warum wählt er diesen Weg?
Hätte er sich nicht auch anders auf mich vorbereiten können? Ich meine, er ist doch Gott. Allmächtig. Nichts ist ihm unmöglich. Also warum dann so unbequem?
Ich möchte diese Fragen mit einer Parabel des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard beantworten. Für die, die im letzten Jugo waren, ist das jetzt eine kleine Wiederholung. Aber die Geschichte ist so gut, dass ich sie allen anderen nicht vorenthalten möchte.
Es war einmal ein junger König. Der verliebte sich unsterblich in ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen. Sie bewohnte eine winzige Hütte und lebte von der Feldarbeit. „Wie kann ich ihr meine Liebe zeigen, wie kann ich sie nur für mich gewinnen?“, fragte der König sich immer wieder. Das Problem war der riesige gesellschaftliche Unterschied zwischen ihm als König und dem armen Mädchen. Einer seiner Ratgeber empfahl ihm: „Befiehl ihr einfach, deine Frau zu werden. Du bist der König, sie hat zu gehorchen.“ Die Macht dazu hatte er, schließlich gehorchten ihm ganze Länder.
Nein, erzwungene Unterwerfung war es nicht, was der König wollte. Er sehnte sich nach Vertrautheit und Liebe. Alle Macht der Welt kann die Tür des Herzens nicht aufschließen.
Also kam dem König die Idee, dem jungen Mädchen einen Liebesbrief zu schreiben, indem er ihr versichere, was er für sie empfinde und, dass er von ihrer Schönheit ganz verzaubert sei. Aber auch durch einen einfachen Brief würde das Mädchen wohl nicht beeindruckt sein.
Deshalb meinte ein weiterer Ratgeber: „Kleide sie in Purpur und Seide und sie wird dahin schmelzen!“ Nur: Wie könnte er dann jemals wissen, ob sie ihn wirklich liebte, um seiner selbst willen oder nur um all des Besitzes und Reichtums wegen.
So schlug unser König einen Weg ein, den noch kein König vor ihm erprobt hatte: Er stieg von seinem Thron, setzte die Krone ab und zog seinen Purpurmantel aus. Er wurde selbst zum einfachen Bauern. Er nahm nicht nur die äußere Gestalt eines armen Menschen an, sondern lebte sogar in einer Hütte im Wald. Obwohl er eigentlich der König war, wurde er aus Liebe ein einfacher Bauersmann. Er setzte alles auf eine Karte. Er riskierte, dass sie ihn sogar abwies. Alles nur aus Liebe!
Alles nur aus Liebe! Das ist die Antwort auf die Frage nach dem Warum. Jesus gibt seine Herrschaft und seine Königswürde auf, um uns seine Liebe zu zeigen und damit um unsere Liebe und um unser Herz zu werben.
Klar, Gott ist allmächtig und er könnte uns sicher auch zur Beziehung zwingen. Aber das ist dann keine echte Liebe. Denn echte Liebe kann man nicht erzwingen. Gott nimmt uns als Gegenüber ernst. Deshalb macht er sich auf den Weg zu uns und zeigt uns seine Liebe. Und dann lässt er uns die Freiheit, auf seine Liebe zu reagieren.
Jesus bereitet sich also auf die Begegnung mit uns Menschen vor, indem er von ganz oben nach ganz unten kommt. Der Abstieg ist der erste Teil seiner Vorbereitung auf dich. Und dieser Abstieg hieß für ihn nicht nur stinkender Stall, aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen, unbequemes Leben als Wanderprediger – nein, es hieß am Ende: Kreuz und Tod.
Das war Teil 2 seines Liebesbeweises und Teil 2 der Vorbereitung auf dich. Denn echte Verbindung zu ihm ist erst durch seinen Tod und seine Auferstehung möglich. Auch wenn er Mensch wird, ist er immer noch Gott.
Er ist fehlerlos und heilig – wir sind das genaue Gegenteil. Zusammenpassen wir nur, weil Jesus unsere Fehler auf sich nimmt und damit den Weg für eine Beziehung freimacht. Paulus schreibt dazu im Römerbrief:
23Alle sind schuldig geworden und haben keinen Anteil mehr an der Herrlichkeit Gottes. 24Sie verdanken es also allein seiner Gnade, dass sie von Gott als gerecht angenommen werden. Er schenkt es ihnen aufgrund der Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
Gott wird Mensch und stirbt für mich am Kreuz. So hat er sich auf mich vorbereitet. Auf die Begegnung und die Beziehung mit mir. Eine schöne Geschichte. Zu schön, um wahr zu sein?
Was ist, wenn das alles nur ein Irrtum war? Irgendwie ja auch eine absolut verrückte Geschichte. Gott, der dieses Universum geschaffen hat, soll sich gleichzeitig auf eine Begegnung mit mir vorbereitet haben, indem er Mensch wird und dann sogar stellvertretend am Kreuz stirbt. Es hört sich verrückt an. Und doch war es Gottes lange schon vorbereiteter Plan. Das war jetzt kein spontaner Einfall von Gott. Nein, schon viele Jahre davor bereitet Gott diesen Einsatz vor. So kündigten die Propheten im Alten Testament schon ein paar Hundert Jahre vor der Geburt von Jesus sein Kommen an. Das können wir zum Beispiel im Buch vom Propheten Jesaja lesen:
1Das Volk, das in der Finsternis lebt, hat ein großes Licht gesehen. Es scheint hell über denen, die im düsteren Land wohnen. […] 5Denn uns wurde ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt worden. Ihm wurde die Herrschaft übertragen. Er trägt die Namen: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedefürst. 6Seine Herrschaft ist groß und bringt Frieden ohne Ende.
Er regiert als König auf dem Thron Davids und schafft Recht und Gerechtigkeit. So festigt und stärkt er sein Königreich jetzt und für immer.
Der Herr Zebaot bewirkt das in seiner leidenschaftlichen Liebe.
Jesaja wusste schon vom Rettungsplan Gottes. Gott hat die Menschen also schon einige Hundert Jahre vor seinem Kommen in die Welt darauf vorbereitet.
Und Jesaja wusste schon, was der Grund der Rettung ist: die leidenschaftliche Liebe des Herrn Zebaot. Das ist die Motivation für alles vorbereitende Handeln Gottes.
Deshalb hat er sich erniedrigt und ist in unsere Welt gekommen. Deshalb ist er am Kreuz gestorben. Aus Liebe. Diese Liebe ist mehr als ein Gefühl – die Liebe Gottes ist eine Entscheidung für seine Menschen. Für uns. Für dich. Eine Entscheidung, die Gott alles gekostet hat.
„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)
Gott hat sein Kommen lange schon vorbereitet und er ist durch sein Kommen bestens vorbereitet auf die ganz persönliche Begegnung mit dir. Er hat alles für ein Leben in Verbindung mit dir vorbereitet. Deshalb jetzt nochmal die Frage an dich: Bist du vorbereitet? – Und ich meine jetzt nicht, ob dein Haus schön weihnachtlich dekoriert ist und ob du für die weiteren Feiertage die Festessen alles fertig hast. Ich meine, bist du vorbereitet auf die Begegnung mit diesem Jesus, der für dich vom Himmelsthron ans Kreuz abgestiegen ist, um dir seine Liebe zu zeigen?
Puh, denkst du jetzt vielleicht. Ich weiß auch nicht so recht. Wie bereite ich mich denn eigentlich vor? Ich will das Beispiel mit dem König von Kierkegaard mal weiterführen. Der König wird ein armer Bauer und er wirbt um die Liebe der Bäuerin. Eines Tages macht er ihr einen Heiratsantrag. Er kniet vor ihr nieder und sagt zu ihr: „Ich liebe dich. Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass du diese Liebe erwiderst. Willst du meine Frau werden und mit mir zusammen sein bis der Tod uns scheidet?“
Jetzt frage ich euch: Kommt es in diesem Moment auf die richtige Vorbereitung oder auf die richtige Reaktion der Frau an?
Na klar, auf die richtige Reaktion kommt es an. Die Frau muss jetzt JA sagen, sonst verpasst sie die Chance ihres Lebens. Sicher gab es ein paar Schritte zuvor. Die Frau hat sich dem König erstmal ein Stückweit geöffnet. Sein Werben um sie zugelassen. Vielleicht hat sie sich auf das ein oder andere Date mit ihm eingelassen. Aber der entscheidende erste Schritt kommt vom König. Bei seiner Auserwählten geht es jetzt um die passende Reaktion. Das ist viel wichtiger als die richtige Vorbereitung. Die entscheidende Frage ist also nicht: Bist du vorbereitet? Sondern: Wie reagierst du auf die Vorbereitungen Gottes für dich?
Sagst du „Ja“ zu seiner Liebe? Dann heißt das, dass du ihm den wichtigsten Platz in deinem Leben gibst. Dass du dich auf eine Beziehung mit ihm einlässt. Seine Liebe darf dich und dein Leben prägen und verändern. Und genau das ist es, was Jesus möchte. Genau das ist es, worauf er sich vorbereitet hat: Auf eine Beziehung mit dir, die dich und dein Leben prägt.
Mit der Beziehung zu Jesus und durch seine Liebe verändert sich dein Leben. Dein Blick auf dich und auf die Menschen um dich herum wird ein anderer. Liebevoller. Gnädiger. Vergebungsbereiter. Und auch die Welt siehst du in der Beziehung mit Jesus mit anderen Augen: Du siehst zwar das Dunkle und die ganzen Probleme noch, aber du resignierst nicht. Du bist nicht hoffnungslos, sondern hoffnungsvoll. Trotz allem. Denn du kennst das Licht der Welt, das dein Leben hell macht.
Wisst ihr, was der Unterschied zum König ist? Der fragt: Willst du mit mir zusammen sein, bis der Tod uns scheidet? – Die Beziehung zu Jesus hat aber Ewigkeitswert. Sie geht über den Tod hinaus. Paulus fragt in Römer 8: Was kann uns von Christus und seiner Liebe trennen? (Röm 8,35a) Und die Antwort ist: „Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine weltlichen Mächte, nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottfeindliche Kraft… „Nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen. In Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt. (Röm 8,39)
Das feiern wir heute! Und dabei kommt es nicht darauf an, wie du vorbereitet bist, sondern wie du reagierst! Ich lade dich ein: Lass Jesus in dein Leben. Sag JA zu seiner Liebe. Räum den ersten Platz für ihn frei. Lass dich von ihm lieben.
Amen.
Die Predigt wurde in der Christmette an Heilig Abend 2024 in der Auferstehungskirche Ruit gehalten.
Link zum Gottesdienst: https://www.youtube.com/watch?v=xLcpm6hsEys

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