Eine ganz schön heftige Geschichte, die wir hier soeben gesehen haben. König Ahab wollte den wunderschönen Weinberg von Nabot. Der sagt aus guten Gründen und eigentlich auch sehr höflich „Nein“. Isebel, die Frau Ahabs, sieht das gar nicht ein. Sie nimmt die Sache in die Hand und besorgt Ahab den Weinberg. Dabei begeht sie großes Unrecht. Sie besticht falsche Zeugen mit Geld, dass die Lügen über Nabot verbreiten. So lässt sie Nabot aus dem Weg räumen. Unschuldig und völlig zu Unrecht wird er zum Tode verurteilt und dann umgebracht. So eine Gemeinheit. So eine Ungerechtigkeit!

Leider gibt es solche Ungerechtigkeiten auch heute noch. Menschen nutzen ihre Macht aus, um sich selbst zu nehmen, was sie gerne hätten. Dabei kennen sie keine Grenzen. Unrecht und Ungerechtigkeiten nehmen sie in Kauf. Hauptsache sie kriegen, was sie wollen. So kommt es zu Streitereien, Konflikten und sogar Kriegen.

Wir leben hier in einer Demokratie und in einem Land, in dem wir keinem gemeinen König ausgeliefert sind. Aber auch wir kennen Ungerechtigkeit und Unrecht aus unserem Alltag. Auch wir erleben, dass Dinge ungerecht sind und andere sich unfair verhalten, nur um das zu bekommen, was sie wollen. Das kann beim Fußball sein, wenn jemand dich gemein umgrätscht, um an den Ball zu kommen. Oder in der Schule und auf der Arbeit, wenn jemand über dich Unwahrheiten erzählt, um selbst besser dazustehen. Oder in der Familie, wenn dir für irgendeinen Blödsinn von deinen Geschwistern die Schuld in die Schuhe geschoben wird und deine Eltern dann dich schimpfen. Ja, leider sind wir immer wieder unfair zueinander. Wir erleben Ungerechtigkeiten, aber, ich glaube, wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir manchmal auch anderen Unrecht tun.

Aber wisst ihr was? Gott lässt das Unrecht nicht einfach so stehen. Denn Gott ist gerecht und er sorgt für Gerechtigkeit. Als Ahab sich gerade gemütlich seinen schönen neuen Weinberg anschauen wollte, steht plötzlich Elia vor ihm. Und der sagt ihm im Auftrag von Gott, dass es absolut nicht in Ordnung war, was er und seine Frau getan haben. „Gott duldet dieses Unrecht nicht.“, sagt er. Und dann kündigt er ihm seine Strafe an. „So wie ihr Nabot umgebracht habt, sollen auch du und Isebel sterben.“ Das ist doch mal gerecht, oder? Gut, dass die beiden eine Strafe bekommen. Gut, dass ihre Gemeinheit nicht einfach so stehen bleibt. Gott sorgt für Gerechtigkeit!

Aber Moment, es ging ja noch weiter: Denn Ahab erkennt den Ernst seiner Lage. Er fällt auf die Knie und bekennt, dass es falsch war, was er getan hat. Er bekennt, dass er sich schuldig gemacht hat und bereut, was er getan hat. Er fastet. Er betet. Er bittet Gott um Vergebung. Gott sieht das. Und er vergibt ihm.

Halt, Stopp –  könnte man jetzt sagen. Ist Gott doch nicht gerecht? Ich meine, das ist doch nicht gerecht?!  Nur weil Ahab jetzt einsieht, dass er falsch gehandelt hat, bekommt er keine Strafe mehr? Was bringt denn das dem Nabot und seiner Familie jetzt noch, dass Ahab sein Verhalten bereut? Wie kann das sein, dass Ahab jetzt ohne Strafe davonkommt? Ist das nicht total unfair? Wenn wir an Ahab denken, dann ärgern wir uns über Gott. Wenn wir an die Situationen denken, in denen wir unfair zu anderen waren, sind wir Gott total dankbar, dass er uns nicht hart bestraft, sondern stattdessen gnädig zu uns ist. Wir sind froh, dass er uns immer wieder eine neue Chance schenkt, wenn wir ihn darum bitten.

Warum tut Gott das? Weil er gerecht ist und voll Liebe für uns. Deshalb hat er einen Weg geschaffen, bei dem einerseits Unrecht nicht einfach vergessen wird, aber andererseits die Täter nicht für immer verloren sind. Gott nimmt das Leid der Opfer ernst und schlägt den Tätern trotzdem die Tür nicht vor der Nase zu. Um das möglich zu machen, hat er seinen Sohn Jesus in die Welt geschickt. Der hat nie etwas falsch gemacht oder jemand Unrecht angetan. Am Ende ist er aber trotzdem gekreuzigt worden wie der größte Verbrecher. Dabei hat er alle Strafen, die wir Menschen verdient haben, auf sich genommen. Damit hat er jedem, der sein Verhalten bereut und Gott sagt, dass es ihm Leid tut, einen Neuanfang möglich gemacht. Keiner ist für immer verloren. Keiner bekommt von Gott für immer eine rote Karte. Nicht einmal Ahab.

In der Bibel heißt es: Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Ohne Jesus wären wir alle verloren. Keiner von uns lebt so, dass er nie jemanden Unrecht tut. Aber weil Gott gerecht ist und uns unglaublich liebt, ist Jesus für uns gestorben.

Man könnte jetzt sagen: „Prima, das ist ja ein Freifahrtschein für uns alle.“ Sprich: „Ich lebe wie ich will, nehm mir was ich will, wie Ahab und Isebel, und wenn ich alles hab, dann kann ich ja immer noch Gott um Vergebung bitten. Dann habe ich am Ende alles, was ich wollte, und Gott straft mich trotzdem nicht.“

Ich glaube, so funktioniert das aus unterschiedlichen Gründen nicht. Ich will mal noch drei nennen:

  1. Sünde hat immer Auswirkungen im Zwischenmenschlichen.

    Auch wenn Gott uns immer wieder einen Neuanfang ermöglicht, muss uns klar sein, dass das Unrecht, das wir tun, andere schädigt. Manchmal auch so, dass wir es nicht wiedergut machen können. Das kann uns nicht egal sein.

    2. Was wir tun, kommt nochmal zur Sprache.

    In der Bibel steht ziemlich eindeutig, dass wir einmal vor Gott als Richter stehen werden und da alles zur Sprache kommt, was wir getan haben. Die guten und die schlechten Sachen werden da angesprochen. Auch wenn es so ist, dass Jesus dann für seine Freunde für alles Schlechte einsteht, stell ich es mir ziemlich unangenehm vor, zu hören, was alles nicht so gut war.

    3. Gottes Liebe lässt mich nicht kalt.

    Wenn ich bedenke, dass Gott mich so sehr liebt, dass Jesus für mich gestorben ist, dann verändert mich das. Wenn ich in meinem Leben die Liebe, die Vergebung und die Güte von Jesus erlebe, dann will ich genau das weitergeben. Dann will ich, dass man meinem Verhalten abspürt, dass ich von Jesus geliebt bin. Dann stehen nicht mehr meine egoistischen Pläne und Wünsche im Vordergrund, sondern dann versuche ich so zu leben, wie es Jesus Freude macht. Dann versuche ich das, was ich bei ihm erfahre, weiterzugeben: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Liebe.

    Gott ist gerecht. Und er liebt dich. Deshalb kannst du Jesus genauso wie Ahab um Vergebung bitten und er wird dich nicht wegschicken. Gott sei Dank! Amen.

    Die Predigt wurde am 3. November 2024 zum Abschluss der Kinder-Bibel-Woche in der Auferstehungskirche Ruit gehalten.

    Link zum Gottesdienst: https://www.youtube.com/watch?v=3brxLRw17yI

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