Liebe Gemeinde, liebe Kinder der Kindergärten,

danke, dass ihr uns in eurer Apfelkantate vorgesungen habt, was alles passieren muss, bis wir in einen leckeren Apfel reinbeißen können. Da machen wir uns ja ziemlich selten Gedanken darüber, wie der Apfel eigentlich gewachsen ist. Meistens kommt der aus dem Supermarkt oder noch besser in Schnitzle geschnitten aus der Vesperdose. Nur ganz selten denken wir darüber nach, wie der Apfel gewachsen ist. Und wahrscheinlich noch seltener, wer ihn hat wachsen lassen. Ich glaube, deshalb vergessen wir auch ganz oft, Gott Danke zu sagen für seine gute Versorgung und für alles, was er uns schenkt. Wir denken, das ist alles normal und selbstverständlich. Aber so ist es nicht. Eigentlich ist es total faszinierend.

Euer Lied begann mit der Apfelblüte, aber eigentlich müsste man noch früher anfangen. Beim Apfelkern. (zeigen) Aus so einem mini kleinen Apfelkern könnte ein neuer Apfelbaum werden. Normalerweise schmeißen wir den einfach in den Biomüll. Aber wenn man ihn einpflanzen würde, könnten ein neuer Apfelbaum wachsen. Und nach ungefähr 10 Jahren könnten wir leckere Äpfel von dem Baum ernten. Natürlich passiert das nicht einfach alles so. Da braucht es zum Beispiel das richtige Wetter. Genügend Sonne und Regen, kein später Frost und so weiter. Dann braucht es, ihr Kinder habt es uns vorgesungen, noch die Bienen. Die Bienen fliegen von Blüte zu Blüte und sammeln den Nektar ein. Dabei bestäuben sie die Blüten und sorgen so dafür, dass auch tatsächlich Äpfel wachsen. Voll die gute Idee von Gott – denn die Bienen wiederrum machen ja leckeren Honig für uns. Ich finde es total beeindruckend, wie Gott sich das ausgedacht hat. Und mich macht das dankbar.

Das ist ja nicht nur beim Apfel so. Der Same, aus dem ein Baum oder auch Gemüse wächst, ist meistens miniklein. Ich habe hier zum Beispiel Karottensamen mitgebracht. Der ist so klein, dass ihn nur die in der ersten Reihe sehen können. In diesem Minisamen steckt schon das Potential einer ganzen Karotte drin. Genial, oder?

Am eindrücklichsten ist der Unterschied vom winzig kleinen Senfsamen zur großen Senfstaude. Wir haben gerade in der Lesung aus der Bibel davon gehört. Jesus erklärt seinen Jüngern: „Das Senfkorn ist das kleinste aller Samenkörner, aber wenn eine Pflanze daraus gewachsen ist. Ist sie größer als alle anderen Sträucher.“ Die Leute damals wussten alle wie ein Senfkorn aussieht und auch wie groß eine Senfstaude wird. Bis zu 3m hoch! So groß, dass sogar Vögel ihre Nester in den Stauden bauen. Ich habe hier ein paar Senfsamen mitgebracht. (zeigen) Auch die sind echt klein und deshalb eigentlich gar nicht richtig zu erkennen. Die Leute damals in Israel kannten sogar hauptsächlich den schwarzen Senf – da sind die Körner noch kleiner. Zur Zeit von Jesus hatten viele Leute Senfpflanzen in ihrem Garten oder auf ihrem Feld. Wahrscheinlich baut das von uns hier keiner in seinem Garten an. Ich vermute mal, die meisten von euch Kindern mögen Senf auch gar nicht so gerne. Das ist euch sicher zu scharf, aber die Leute früher haben viel mit den Senfkörnern gemacht:  Sie haben sie als Arznei benutzt und um Gemüse einzulegen. Sie haben Öl daraus gemacht und die Blätter der Staude wurden auch als Gemüse verzehrt.

Wenn ich über den Apfelbaum, die Karotten oder auch die Senfpflanze nachdenke, dann staune ich darüber, was Gott für ein wunderbarer Gärtner ist. Wie wunderbar er sich die Natur ausgedacht hat. Wie genial alles funktioniert. Wie gut er uns damit versorgt. Je genauer wir Gottes Wirken in unserer Welt beobachten, desto mehr können wir darüber staunen. Wir staunen darüber, dass aus einem kleinen Apfelkern, ein Bäumchen und dann ein Baum wird, an dem wieder neue Äpfel wachsen. Oder dass aus einem winzigen Senfkorn eine riesige Staude wird. Wir staunen darüber, dass in jedem Samenkorn bereits der komplette Bauplan für die aus­gewachsene Pflanze enthalten ist.

Staunen, dass könnt vor allem ihr Kinder gut. Das liegt daran, dass ihr euch Zeit nehmt, genau hinzusehen. Alles zu beobachten und zu untersuchen. Das können wir Großen, die immer in Eile und im Stress sind, von euch lernen. Gut, wenn ihr uns immer wieder zum Anhalten, Hinschauen und Staunen bringt.

Und wenn wir genau hinsehen und staunen: Dann kommt in uns die Frage auf: „Wer hat das eigentlich alles gemacht? Wer hat sich das ausgedacht?“ Dann können wir sagen: „Die Natur. Alles Zufall. Hat sich halt eben irgendwie so entwickelt.“ Für mich ist das keine gute Erklärung. Ich glaube, dass Gott sich das alles ausgedacht hat. Dass er sich das alles überlegt hat, um uns zu bestens zu Versorgen und um uns eine Freude zu machen. Gerade auch mit der Vielfalt und Schönheit der Früchte und Pflanzen. Er schenkt uns das alles, dass wir erkennen, dass er uns liebt und dass er es gut mit uns meint. Und er freut sich, wenn wir ihm DANKE dafür sagen.

Wenn wir also genau hinsehen, dann kommen wir ins Staunen. Und wenn wir dann weiterdenken, dann kommen wir auf Gott, der alles gemacht hat und alles wachsen lässt. Und dann werden wir dankbar. Ihr habt es gesungen: „Ja, das tat Gott der Herr!
Dankeschön, Dankeschön! Ja, das tat Gott der Herr! Wir sagen: Dankeschön!“

Beim Nachdenken über das Senfkorn staune ich noch über eine zweite Sache: Über Gottes Reich. Jesus hat die Geschichten vom Senfkorn und auch die vom Brotteig eigentlich erzählt, weil er seinen Zuhörern damals erklären wollte, wie das mit dem Reich Gottes ist. Das Reich Gottes meint den Herrschaftsbereich von Gott. Ihr Kinder würdet vielleicht sagen: „Da, wo Gott der Erstchef ist.“ Für euch ist es oft ganz wichtig, wer der Chef ist – und wenn wir Erwachsenen ehrlich sind, geht es bei uns auch ziemlich oft darum, wer der Chef ist und wer das Sagen hat.

Beim Reich Gottes ist klar: Gott ist der Chef. Er wird als König und Herr anerkannt und angebetet. Reich Gottes ist da, wo Gott das Sagen hat und die Leute auch auf ihn hören. Durch alle Zeiten hindurch und an jedem Ort dieser Welt. Und überall dort, wo Jesus ist, ist auch das Reich Gottes. Jesus bringt uns dieses Reich.

Das Reich Gottes ist etwas total Tolles, denn im Reich Gottes gibt es zum Beispiel keinen Streit mehr. Und auch keinen Krieg. Nichts mehr, wovor man Angst haben muss. Und auch niemand mehr, der Hunger oder Durst hat. Jesus sagt, das Reich Gottes ist wie diese große Senfstaude, wo Vögel ein Zuhause finden. Oder wie ein leckeres, fluffiges Sauerteigbrot. Im Wirken Jesu war dieses Reich Gottes schon sichtbar und spürbar. Menschen wurden geheilt. Menschen haben Vergebung erfahren und damit ein Neuanfang geschenkt bekommen. Alle wurden von Jesus angenommen. Auch die, die die anderen verachtet haben, hat Jesus wertgeschätzt.

In den Gleichnissen vom Senfkorn und vom Sauerteig geht es Jesus vor allem darum, zu erklären, wie es sich das Reich Gottes ausbreitet. Am Anfang scheint es miniklein und unbedeutend zu sein. Ganz leicht zu übersehen. Doch dann wird es groß, ja großartig.

Das große Ziel von Jesus war, möglichst viele, in das Reich Gottes einzuladen. Das ist noch heute sein Ziel. Er will uns dabeihaben. Er will, dass wir ihn heute schon unseren König sein lassen und auf ihn hören und dann später einmal in seinem wunderbaren Reich leben. Denn wenn Jesus einmal wiederkommt, dann setzt sich das Reich Gottes überall durch. Dann erkennen alle, dass Gott der „Erstchef“ ist.

Vielleicht denkst du: „Das mit dem Reich Gottes ist doch nur eine nette Vorstellung. Aber in der Welt sieht es doch ganz anders aus. Von Frieden zum Beispiel ist da nicht viel zu sehen. Mit dem Streit fängt es doch schon in der Familie an.“ Vielleicht denkst du auch: „Das ist so unbedeutend und winzig wie ein Senfkorn. Vielleicht gibt es ein paar Leute, die Jesus wirklich ihren Chef sein lassen, aber selbst bei denen, die immer in die Kirche gehen, gibt es doch immer wieder Streit und andere ungute Dinge.“

Ja, das Reich Gottes ist noch sehr schwer zu erkennen. Man muss es manchmal richtig suchen, so wie ein Senfkorn, das auf den Boden fällt. Aber Gott schenkt Wachstum. Wenn du es zulässt, dass er sich um dich kümmert, wenn er der Gärtner in deinem Leben sein darf -dann wächst etwas aus dir heraus, dass einen Unterschied macht. Dann drehst du um, änderst Dinge und lässt Gottes Liebe in dir wirken und dich verändern.

Auch der Vergleich mit dem Sauerteigbrot sagt das. Eine kleine Menge Sauerteig reicht aus, um viel Mehl zu durchsäuern und damit dann viel leckeres und fluffiges Brot zu backen. So wie dieser einen Teig aus Mehl und Wasser verwandelt, so verwandelt das Reich Gottes unser Leben – und zwar auf allen Ebenen: persönlich und in Gemeinschaft. Denn wo das Reich Gottes aufkeimt, wächst die Kraft zur Vergebung, Annahme und Liebe. Auch unbequemen und schwierigen Menschen gegenüber. Da werden Hoffnung und Zuversicht stark. Da sind Heilung und Freiheit real.

In dem scheinbar kleinen Anfang liegt Kraft alles zu verwandeln. Darüber staune ich. Und es macht mich dankbar. Ich bin dankbar für Gottes Plan und sein Reich, das jetzt schon anbricht, wo Menschen Gott ihren König sein lassen und das, wenn Jesus wiederkommt, voll und ganz diese Welt ablösen wird.

Ich lade Sie und euch ein, mit mir zu staunen über Gott, den allerbesten Gärtner – der uns mit seiner genialen Schöpfung wunderbar versorgt, und der sein Reich in unserer Welt aufkeimen lässt und uns damit eine neue Perspektive auf unser Leben schenkt. Und ich lade Sie und euch ein, diesem großen Gott von ganzem Herzen DANKESCHÖN zu sagen. Heute an Erntedank und morgen und übermorgen und an jedem neuen Tag. Amen.

Die Predigt wurde am 29. September 2024 in der Auferstehungskirche Ruit gehalten.

Link zum Gottesdienst: https://www.youtube.com/watch?v=PxWAB3EgKDo

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