„Macht euch keine Sorgen!“ So lautet einer der abschließenden Ratschläge des Paulus an die Gemeinde in Philippi. Worte, die wir auch schon aus der Bergpredigt kennen. Sorgt euch um nichts, sagt da Jesus zu seinen Zuhörern. Das ist doch eine tolle Botschaft auch für uns heute noch. Kurz vor der Bundestagswahl, in einer Zeit, in der es viele Krisen in unserer Welt gibt. Und auch in unserer ganz pesönlichen Situation – unserer Sorgen und Ängsten. Paulus sagt einfach: „Macht euch keine Sorgen“ Die Anweisung ist ganz klar und nicht schwer zu verstehen. –

Die Frage ist nur, wie lange schaffen wir es wirklich an diese Anweisung zu halten? Manch einer denkt vielleicht schon beim nächsten Lied wieder an die Probleme in seiner Familie. Eine andere, wenn sie nachher wieder auf dem Zimmer ist und sich fragt, wie denn alles noch werden wird. Spätestens heute Abend im Bett werden manch einem von uns irgendwelche Sorgen das Einschlafen erschweren. Die Anweisung von Paulus, uns keine Sorgen zu machen, vergessen wir schnell wieder.

Oder vielleicht geht es dir auch wie mir. Im ersten Moment höre ich einen großen Zuspruch in diesen Worten. „Mach dir kein Sorgen“ – das ist wie wenn jemand den schweren Sorgenrucksack auf meinem Rücken einen Moment anhebt und mich nichts mehr nach unten zieht. Dann aber realisiere ich ziemlich schnell, dass das nicht nur ein netter und gut gemeinter Ratschlag, sondern eine Aufforderung ist, mir keine Sorgen zu machen. Man könnte sagen ein Befehl. Und wenn ich das so lese, dann plumpst der Rucksack mit voller Wucht wieder auf meinen Rücken zurück. Der Zuspruch des Verses wird ganz klein und der Anspruch scheint riesig zu sein.

Ich mein, was ist das auch für eine Aufforderung. Mach dir keine Sorgen – das ist doch wie schlaf jetzt ein. Das geht nicht aus Knopfdruck!

Gut für uns, dass Paulus diese Aufforderung nicht einfach so stehen lässt, sondern noch weiter ausführt, wie das gehen kann. Er schreibt:

6Macht euch keine Sorgen. Im Gegenteil: Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit.

Paulus stellt uns eine Alternative zum Sorgen vor: das Gebet. Es geht nicht darum, meinen Rucksack auf Knopfdruck vergessen oder ignorieren zu können. Die Lösung ist, ihn auszuziehen und Gott hinzulegen. Im Gebet kannst du alles vor ihn bringen und bei ihm abladen.

Beeindruckend finde ich vor allem, dass hier explizit „in jeder Lage“ steht. Wie oft versuche ich gerade meine kleinen Alltagsprobleme alleine zu bewältigen. Wenn ich ehrlich bin, denke ich manchmal gar nicht daran, dass ich sie vor Gott legen könnte. Stattdessen kämpfe ich mich allein durch meinen Alltag oder dreh fast durch, wenn ich meinen Schlüssel nicht mehr finden kann.

Aber anstatt wie blöd im Kreis zu rennen und mir schon alle möglichen Horrorszenarien auszumalen, darf ich mich an Gott wenden. Kennen Sie solche Sorgen, die Sie zwar umtreiben und belasten, die Sie dann aber doch für zu banal halten, um sie vor Gott zu bringen? – Zu banal, zu unwichtig oder zu unbedeutend gibt’s aber bei Gott nicht. Wir dürfen ihn in jeder Lage um seine Hilfe bitten. Wir dürfen ihn sogar anflehen. Er möchte gebeten sein.

Jetzt gibt es das aber neben dem Bitten und dem Flehen noch einen dritten Punkt. Das Dankesagen. Ich vergesse das besonders oft, wenn mein Sorgenrucksack gerade ziemlich schwer ist. Gründe, zum Klagen und Bitten fallen mir dann viele ein. Auch Fürbitten bringe ich viele vor Gott, aber das Danken fällt dann nur ganz kurz aus.

Bei Paulus wird klar: Das Dankesagen und das Lastenabladen gehören zusammen. Nicht weil es diplomatischer ist, zuerst mal mit einem Wort des Dankes anzufangen, um Gott freundlich zu stimmen und dann die Bitten nachschieben zu können. Das Dankesagen gehört dazu, weil es mich an die großen und kleinen Taten Gottes in meinem Leben erinnert. Wenn ich Gott für sein Eingreifen in mein Leben Danke, dann wächst gleichzeitig auch mein Vertrauen, dass er wieder eingreifen wird und mir meine Lasten abnehmen kann.

Wenn wir uns so an Gott wenden, dann, schreibt Paulus weiter

Dann wird der Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt, über euren Gedanken wachen und euch in eurem Innersten bewahren – euch, die ihr mit Jesus Christus verbunden seid.

Dann findet ein genialer Austausch statt! Ich gebe Gott im Gebet meine Sorgen und er schenkt mir seinen Frieden dafür. Im Bild gesprochen: Ich lass meinen schweren Rucksack am Kreuz liegen und geh mit einem kalten Apfelschorle in der Hand frei erleichtert weiter. Dieser Friede verändert meine Gedanken. Wenn ich versuch selbst mit meinen Sorgen klar zu kommen, dann drehen die sich endlos in meinem Kopf und werden dabei immer größer.   Wenn ich Gott im Gebet aber hinlege, was mich beschäftigt und belastet, dann unterbricht er diese Teufelsspirale. Dann wacht der Friede Gottes über meinen Gedanken. Dann bewahrt Gottes Friede mein Innerstes. Dann haben die Sorgen und Probleme des Alltags keine Chance mehr tief in mich einzudringen und sich in mir einzunisten. Dann wird es in mir ruhig. Tatsächlich verwendet Paulus das Verb, das er hier benutzt, auch im Zusammenhang mit dem Bewachen von Stadttoren.  Gottes Friede kontrolliert also, was zu mir rein und raus kommt. Und die Sorgen, die haben da nun ganz schlechte Karten…

Im Gebet wird dieser Wandel vollzogen. Aber nicht wie ein magischer Austausch – im Sinne einer Zauberformel, sondern durch die Beziehung zu Christus.

Paulus schreibt: Dann wird der Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt, über euren Gedanken wachen und euch in eurem Innersten bewahren – euch, die ihr mit Jesus Christus verbunden seid.

Im Gebet bin ich mit Christus verbunden. Was mir Frieden schenken kann, ist die Beziehung, die ich nach oben aufbaue. Wenn ich alle meine Anliegen vor Gott bringe, meine Bitten und auch meinen Dank, dann bin ich ständig mit Gott in Verbindung. Dann lebe ich Beziehung und ich teile mit meinem Herrn, was mich beschäftigt. Dann macht sich sein Friede in mir breit und wehrt alle Sorgen ab.

Mach dir keine Sorgen  – Ja, mit Christus als meinem Verbündeten an meiner Seite werden diese Worte zu einem echten Zuspruch – auch, weil er sie mir im Gebet immer wieder aufs Neue zuspricht! Ich lade Sie ein: Probieren Sie es aus. Laden Sie Ihre Sorgen bei Jesus ab. Sagen Sie ihm aber auch, wofür Sie dankbar sind. Teilen Sie einfach alles mit ihm, was Sie beschäftigt. Sie werden seinen Frieden erfahren – das hat er versprochen.

Amen.

Die Andacht wurde im Samariterstift (Altenheim) am 13. Februar 2025 in Ruit gehalten.

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