Bibelarbeit am 11. April 2025 im Jugendkreis Ruit.
Vorbereitung, ein Text von Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892 englischer Baptistenpastor):
„Wer sich lässt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle.“
Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass es Leute gibt, die auf die Gnade stolz sein können. Es spricht einer: „Ich habe einen starken Glauben, ich werde nicht fallen; der armselige Kleinglaube ist vor dem Fall nicht sicher, ich aber werde nimmermehr wanken.“ „Ich habe brünstige Liebe,“ spricht ein andrer, „ich vermag zu stehen; es hat keine Gefahr mit mir, ich werde nicht abirren.“ Wer mit der Gnade prahlt, hat sich geringer Gnade zu rühmen. Etliche, die das tun, bilden sich ein, ihre Gnadengaben wären imstande, sie aufrecht zu erhalten, und bedenken nicht, dass der Strom ununterbrochen aus der Quelle fließen muss, wenn nicht des Stromes Bette bald vertrocknen soll. Wenn der Lampe nicht beständig neues Öl zufließt, so wird sie trotz ihres jetzigen strahlenden Lichtglanzes doch morgen schon rauchen; und dann wird sie nur einen schädlichen Dampf verbreiten. Hüte dich, dass du dich nicht in deinen Tugenden selbstgefällig erhebst, sondern lass all dein Rühmen und Vertrauen auf Christum und seine Kraft gerichtet sein, denn so allein bleibst du vor dem Fall bewahrt. Lege dich mehr aufs Beten. Verwende mehr Zeit auf heilige Sammlung und Andacht. Lies Gottes Wort eifriger und anhaltender. Wache sorgfältiger über dich im Handel und Wandel. Lebe in inniger Gemeinschaft mit deinem Gott. Strebe den besten Vorbildern nach. Deine Rede sei lieblich und mit himmlischem Duft gewürzt. Dein Herz sei entzündet von Liebe zu den Menschenseelen. Lebe so, dass die Leute erkennen müssen, du seiest auch mit Jesu gewesen und habest von Ihm gelernt; und wenn einst der selige Tag kommt, wo Der, den deine Seele liebt, zu dir spricht: „Steige herauf,“, so möge es dich mit seligem Entzücken erfüllen, wenn du Ihn sagen hörst: „Du hast einen guten Kampf gekämpft, du hast den Lauf vollendet, hinfort ist dir beigelegt die unverwelkliche Krone der Gerechtigkeit.“ Vorwärts, lieber Christ, mit Vorsicht und Sorgfalt! Vorwärts, mit heiliger Furcht und mit Zittern! Vorwärts, mit Glauben und Vertrauen auf Jesum allein, und lass dein beständiges Flehen sein: „Erhalte mich durch Dein Wort.“ Nur Er, und Er allein, kann euch behüten ohne Fehler, und euch stellen „vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich mit Freuden.“ Lasst uns beten, lasst uns wachen: Herr, sei mächtig in uns Schwachen!“Ich lese aus 1. Korinther 10, 1-13:
1Ich will euch aber eines nicht verschweigen, Brüder und Schwestern: Unsere Vorfahren befanden sich alle unter der Wolke, und alle zogen durch das Meer hindurch. 2Alle haben in der Wolke und im Meer die Taufe auf Mose empfangen. 3Alle haben dieselbe Speise gegessen, durch die Gottes Geist wirkte. 4Und alle haben denselben Trank getrunken, durch den Gottes Geist wirkte. Sie tranken ja alle aus einem Felsen, durch den Gottes Geist wirkte. Dieser Felsen ging mit ihnen. Und dieser Felsen war Christus. 5Aber es gefiel Gott nicht, wie die meisten von ihnen sich verhielten. Er ließ sie in der Wüste sterben. 6Für uns sind diese Ereignisse ein warnendes Beispiel. Wir sollen nicht auf das Böse aus sein, so wie sie es waren. 7Ihr sollt auch keine Götzen verehren wie einige von ihnen. Denn in der Heiligen Schrift steht: »Das Volk setzte sich nieder. Sie aßen und tranken. Dann standen sie auf, um sich zu vergnügen.« 8Wir sollen auch keine verbotenen sexuellen Beziehungen haben wie einige von ihnen: Damals gingen an einem Tag 23.000 Menschen zugrunde. 9Ebenso wenig sollen wir Christus auf die Probe stellen, wie einige von ihnen es getan haben: Sie kamen durch Schlangen um! 10Ihr sollt euch auch nicht gegen Gott auflehnen wie einige von ihnen: Sie wurden vom Vollstrecker umgebracht. 11Das alles geschah mit ihnen als warnendes Beispiel. Es wurde aber aufgeschrieben, um uns als Mahnung zu dienen. Denn uns steht ja das Ende der Zeiten bevor. 12Du meinst also, fest zu stehen. Dann pass auf, dass du nicht zu Fall kommst. 13Ihr seid noch nicht auf eine Probe gestellt worden, die das menschliche Maß überschritten hätte. Aber Gott ist treu. Er wird keine Prüfung zulassen, die eure Kräfte übersteigt. Vielmehr wird er für einen Ausweg sorgen, sodass ihr die Probe bestehen könnt.
Verse 1-11: Das Volk Israel als Negativbeispiel
Die Korinther waren selbstsicher. Sie dachten, Christen mit so hoher Weisheit und erstaunlichen Geistesgaben fehlt es an nichts. Da läuft alles. Die sitzen fest im Sattel. Sie brauchen gar nicht mehr darauf zu achten, wie sie leben. Paulus führt ihnen am Beispiel ihrer Vorfahren vor Augen, dass man von Gott mit Wundern beschenkt sein kann, dass man krasse Dinge erlebt haben kann, wie die Befreiung aus Ägypten, dass man auf dem Weg ins versprochene, gelobte Land sein kann, also beste Aussichten hat und dann trotzdem fallen und umkommen kann.
Im Detail möchte ich den ersten Abschnitt jetzt gar nicht mit euch durchgehen. Es geht grundsätzlich eben um das Negativbeispiel: Volk Israel. Für die Korinther, aber auch für uns
(Randbemerkung: Das AT hat für und heute noch große Bedeutung. Auch für uns ist die Erwählung, Befreiung und auch Bestrafung des Volkes Israel zum Vorbild passiert. Es lohnt sich, sie zu lesen und darüber nachzudenken.
Paulus betont es insgesamt dreimal: Das Volk Israel und sein Ergehen ist ein warnendes Beispiel für uns. Es soll uns als Mahnung dienen.
Es zeigt uns und sagt uns: Passt mal auf: Gott ist ein Gott, der Sünde bestraft. Diese Warnung ist wichtiger denn je, denn, so schreibt Paulus: uns steht ja das Ende der Zeiten bevor.
Mit Christus hat das letzte Weltzeitalter begonnen – das heißt, die Welt geht auf das Gericht Gottes zu. Noch ist die Zeit der Gnade, d.h. noch kann man sich warnen lassen.
So manch einer der Korinther hört diese Mahnung und diese Warnung und denkt, das geht mich nichts an. Bei mir ist alles im Lot. Jesus hat mich aus meinem alten Leben herausgeführt, wie das Volk Israel, ich bin getauft, ich nehme regelmäßig am Abendmahl teil, ich habe vielleicht sogar Geistesgaben. Bei mir passt alles. Vielleicht denken wir manchmal auch so oder so ähnlich.
Paulus reagiert auf diese innere Sicherheit und schreibt:
12Du meinst also, fest zu stehen.
Dann pass auf, dass du nicht zu Fall kommst.
Vers 12: Trügerische Selbstsicherheit
Paulus warnt vor falscher Sicherheit und auch vor falschem Stolz.
Die Korinther sind stolz und selbstsicher. Wir sind es, denke ich, auch oft.
Austauschrunde:
- Auf einer Skala von 1-10: Wie sicher stehst du gerade im Glauben?
- Gibt es falsche Sicherheiten in deinem Glaubensleben?
- Ganz ehrlich: Bist du manchmal stolz auf deinen Glauben? Oder auf dein Engagement in der Gemeinde? Oder dein Bibelwissen?
Lest gemeinsam die Kurzpredigt von Spurgeon.
V13: Die Versuchung
Warum haben die Korinther das Gefühl, absolut safe zu sein, und nicht zu fallen? Paulus erklärt das mit der Art der Versuchungen, denen sie bisher ausgeliefert waren.
- 13Ihr seid noch nicht auf eine Probe gestellt worden, die das menschliche Maß überschritten hätte. Oder wörtlicher: Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche.
Was meint Paulus damit?
Das sind zum Beispiel die Verführungsversuche falscher Lehrer, dann Verführungen, die aus ihrer eigenen menschlichen Art aufsteigen, die sie zu Selbstruhm, Aufgeblasenheit, Verachtung der Schwachen oder zur Unzucht antreiben. Das waren alles Themen in Korinth. Das sind sicher auch Themen bei uns. Manch einen bringen diese Themen zu Fall. Paulus richtet sich an die, die meinen, dem allem überhaben zu sein. Und er weiß, dass es neben den menschlichen Versuchungen noch einen Kampf der Mächte gibt, die nicht menschlich sind.
Eph 6,12: 12Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut. Er richtet sich gegen die Mächte und Gewalten, die Weltenherrscher, die diese Finsternis regieren. Ja, er richtet sich gegen die bösen Geister, die im Reich der Lüfte herrschen.
Es gibt einen Gegenspieler in dieser Welt. Eine Macht, die möchte, dass wir von Gott wegkommen. Sein größtes Anliegen ist, unsere Beziehung zu Gott zu zerstören. Ihr kennt vielleicht das Buch „Dienstanweisung an einen Unterteufel“ von CS Lewis. Er führt, finde ich, herrlich auf, wie der Teufel und seine Untertanen ständig probieren, uns durch Verführungen von Jesus weg zu locken. Ich möchte euch einen kurzen Abschnitt vorlesen (S.17-19).
CS Lewis Dienstanweisungen sind fiktiv, aber die Mächte und ihr Ziel ist real.
Austauschrunde
- Welche „menschliche Versuchung“ kennst du aus deinem Leben?
- Hast du schon einmal geistige Versuchung erlebt oder gespürt, dass du in einem Glaubenskampf stehst, bei dem auch andere Mächte mitmischen?
Exkurs: Versuchung in der Bibel:
- Vier Arten von Versuchung:
- Die Menschen versuchen Gott. (Ps 78,18-19: 18 Und sie versuchten Gott in ihren Herzen, indem sie Speise forderten für ihr Gelüst. 19 Und sie redeten gegen Gott; sie sprachen: Sollte Gott in der Wüste einen Tisch zu bereiten vermögen?)
- Pharisäer versuchen Jesus
- Anders Jesus, der sich weigert, Gott auf die Probe zu stellen, als Satan ihn aufforderte von der Zinne zu springen, da die Engel ihn ja bewahren würden. (Vgl. Mt 4,1.5-7)
In der Versuchung Jesu findet sich auch schon die zweite Art der Versuchung. Das ist die, von der Paulus als geistlichen Kampf spricht.
- Die menschlichen Begierden
- Jak 1,14: Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt.
- Der alte Mensch in uns. Der Sünder. Ausgelöst dann doch auch durch einen geistlichen Versucher, den Teufel in Form der Schlange..
- Die Versuchung des Gegenspielers: Wie ist das einzuordnen? Satan führt Jesus in die Wüste und versucht ihn.
- Wie sind die Machtverhältnisse? Teufel ist der Kettenhund Gottes.
- Gott lässt Satan gewähren, auch um uns zu erproben.
- Versuchung als Probe.
- Abraham, der Isaak opfern soll (Gen 22,1)
- In gutem Sinn: Gott und Christus stellen Menschen auf die Probe, damit sie gefestigt werden und sich bewähren: In Joh 6,5 fragt Jesus den Philippus, woher das Brot kommen soll, um 5000 Leute zu sättigen (und wartet auf dessen Vertrauen in Jesu Möglichkeiten!).
à Versuchung bietet die Chance zum Wachstum und zur Stärkung der Gottesbeziehung.
- Baum im Garten: Warum diese Versuchung? Ist das nicht wie das Ü-Ei vor dem Kind, das es nicht essen soll?
àBeziehung in Freiheit braucht die Möglichkeit zum Nein.
Führt Gott wirklich in Versuchung?
Spannung:
- Bitte: Führe uns nicht in Versuchung (Mt 6)
- Jakobus 1,13: 13 Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen und selbst versucht er niemand.
ML schreibt als Auslegung zur 6. Bitte des Vaterunsers: „Gott versucht zwar niemand, aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott wolle behüten und erhalten, auf dass uns der Teufel, unser Fleisch und die Welt nicht betrüge und verführe in Missglauben. Verzweiflung und andere große Schande und Laster […].“
Gott führt uns nicht in Versuchung, indem er uns lockt, das falsche zu tun- wie es der Gegenspieler tut. Er würde uns ja sonst, von sich weglocken – aus der Beziehung reißen. In diesem Sinne führt uns Gott nicht in Versuchung, aber er schafft Möglichkeiten/Proben und lässt auch dem Gegenspieler einen gewissen Spielraum, um Freiheit zu wahren, um die Standhaftigkeit unseres Glaubens auf die Probe zu stellen und uns dadurch auch Korrektur und Wachstum zu ermöglichen.
Dabei, und das find ich das unglaubliche an unserem Gott, kommt es nicht auf unser Bestehen und unsere Leistung an, sondern auf sein Sein.
Gottes Treue steht über allem!
V13b: Aber Gott ist treu. Er wird keine Prüfung zulassen, die eure Kräfte übersteigt. Vielmehr wird er für einen Ausweg sorgen, sodass ihr die Probe bestehen könnt.
Paulus gibt einen Imperativ nach dem anderen raus. Eine Aufforderung nach der anderen. Eine Warnung nach der anderen – vor allem am Volk Israel. Man würde jetzt von ihm eine letzte Mahnung erwarten. Einen Appell an die Korinther zur Treue. Aber stattdessen verweist er auf Gottes Treue. „Treu aber ist Gott.“
Wichtig: Es geht beim Stehen und bei der Versuchung immer um unser Verhältnis zu Gott. Sehe ich auf mich, dann kann ich nicht standhalten, auch wenn ich mir gute Vorsätze mache, auch wenn ich mich noch mehr anstrenge – es wird nie reichen. Es ist die falsche Blickrichtung. Nur wenn ich auf Gottes Treue schaue, ist ein Stehen und ein Bestehen möglich. Sein JA zu mir steht fest. Das hat er am Kreuz manifestiert und unterstrichen. Darauf verlass ich mich. Das ist mein Ausweg, der mir ermöglicht, jede Probe zu bestehen. Und wenn ich nicht bestehe, dann nimmt er das Scheitern auf sich.
Und gleichzeitig gehört das andere auch dazu – der eigene Einsatz. Deshalb nimmt Gott auch die Versuchungen nicht weg. Wirklicher Glaube erkennt den Ernst der Lage. Er nimmt die Versuchungen wahr. Er ist zum äußersten Einsatz mit aller Kraft bereit. Aber – und das ist die andere Seite der Medaille – er weiß um die Treue Gottes, die über allem steht.
Und deshalb holt er die Kraft und den Trost, die er braucht, um bestehen zu können nicht aus sich selbst, sondern aus der Beziehung zu Gott – ja, bei Gott ab – in Gottes Wort und seinen Zusagen.
Thema: Stärke durch Versuchungen?
- Ich weiß nicht so genau, wer das Thema formuliert hat. Maxi wird es mir verzeihen, dass ist ein Fragezeichen dahintersetze.
- Ich glaube, es wäre falsch, hier immer einen Fortschritt zu sehen und eine Art Leistungsgedanke reinzubringen. Im Sinne von: Heute habe ich einen halben Tag ohne Social Media geschafft. Ich habe der Versuchung getrotzt. Morgen werde ich einen ganzen schaffen. – Oder nehmt die Versuchung, die ihr wollt.
- Die Blickrichtung ist hier die falsche, nämlich die auf uns. ICH. Das ist die falsche Sicherheit. Die Blickrichtung ist: Gott hat mir gezeigt, wie treu er ist. Er hat mir geholfen, meinen Fokus richtig zu setzen und meine Zeit sinnvoll einzuteilen. Morgen kann er das auch wieder tun.
- Stark oder stärker werde nicht ich. Stark und stärker wird die Beziehung zwischen Christus und mir. Darum geht es.
- Jede Versuchung soll nicht mich größer, stärker, selbstsicherer oder standhafter machen, sondern mein Vertrauen zu und in Christus.
Oder um nochmal auf die Predigt von Spurgeon zurück zu kommen: „Lasst uns beten, lasst uns wachen: Herr, sei mächtig in uns Schwachen!“
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